Alexandra Núñez
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Nikita Roytman kenne ich bereits länger und habe ihn als einen leidenschaftlichen und vor allem neugierig kritischen Fotographen kennen gelernt. Seine Fotographien laden dazu ein, sich mit existenziellen Fragen auseinandersetzen, die uns seit Menschengedenken begleiten: Die subtile bis stille Formgebung in seinem monochromen Bildzyklus (siehe dazu den beeindruckenden Sternkalender 2020), die Auswahl seiner Bildausschnitte und die konstellative Einheit seiner Bildmotive eröffnen den Horizont für Fragen nach dem Woher, Wohin und auch nach dem Warum. In der Rezeption seiner Werke wird dem Rezipienten das zuteil, was in der kunsthistorischen Forschung gemeinhin als „Ästhetische Erfahrung“ bezeichnet wird: Die dunklen Bildmotive – und ich beziehe mich hier insbesondere auf die monochromen Landschaften des Sternkalenders 2020 – zeichnen sich durch eine semantische Offenheit aus; sie sind zeitlos und doch in dem Augenblick der Betrachtung unmittelbar in ihrer reduzierten und konzentrierten Plastizität präsent. Man spürt sogleich, dass hinter den wunderbaren und vor allem tiefen Bildern ein analytischer und neugieriger Geist steckt, denn seine Bilder er-schaffen und erinnern den Betrachtenden in ihrer ruhigen und dennoch ergreifenden Ästhetik an etwas, das leicht im Alltag verloren geht, nämlich das Staunen und unsere Fähigkeit zu staunen.
Seine Bilder transzendieren alltägliche Natur- und Himmelslandschaften durch den monochromatischen Fokus auf die Struktur und choreographieren auf diese Weise den Blick hinein in die Momenthaftigkeit eines Augenblicks, einer Begegnung oder gar in die Erfahrung der Unendlichkeit, nämlich des konkreten und metaphysischen (Bild-)Raums. Das Thema Zeit und Zeitlichkeit wird hier in seinen Bildern, die zum stillen Verweilen und Staunen und Be-Fragen einladen, im wahrsten Sinne veranschaulicht. Seine Bilder sind – metaphorisch gesprochen – als Spuren und Chiffren zu lesen, die etwas andeuten und zugleich bedeuten. Sie laden den Rezipienten ein, zu suchen und zu finden. Zugleich legen seine Fotographien Zeugnis über sein feines Auge, sein empathisches Gespür für Details und sein Interesse für das Große und Ganze ab. Die komplexe, technisch hoch versierte und leidenschaftliche Bearbeitung der Bilder, die Nikita Roytman beherrscht, verdeutlichen, dass hier ein Meister am Werk ist.
Des Weiteren möchte ich noch auf ein anderes Genre, nämlich seine Porträts aufmerksam machen. Wer Nikita Roytman bereits begegnet ist, weiß, dass er ein aufmerksamer, neugieriger Zuhörer und Gesprächspartner ist, der sich auf sein Gegenüber offen einlässt und sich sehr für dessen Geschichten und Persönlichkeit interessiert. Er nimmt sich die notwendige Zeit, um in seinen Porträts die Seiten zu finden, die eine Person auszeichnen und als Persönlichkeit prägen.
Abschließend bleibt nur noch zu sagen: In der heutigen Zeit von Instagram, Twitter und anderen Social Media Kanälen, in der das Aufmerksamkeitsmonopol auf dem Bunten, Schnellen und vor allem Austauschbaren liegt, haben die Fotographien von Nikita Roytman etwas erfrischend Kritisches und zugleich subversiv Progressives. Sie bilden einen Gegenpol zur heutigen Zeit, sie erinnern uns daran, dass die fotographische Kunst nichts mit der rein plakativen Abbildung von Wirk-lichkeit zu tun hat, dass Kunst da anfängt, wo das inflationäre Knipsen von Bildern mit der Handykamera aufhört.
Nikita Roytmans Kunstfotographien erinnern uns daran, dass Kunst offene Fragen stellt. Nikita Roytmans Werke sind Kunst par excellence.
Als Kunsthistorikerin kann ich Ihnen nur empfehlen, Nikita Roytman als Fotographen zu engagieren und vor allem seine herausragenden und schönen Kunstfotographien zu erwerben.